Nachgedacht – Gemeindebrief Mai – Juni 2012
Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird.
(Monatsspruch Mai ) 1. Timotheus 4,4
„Du darfst,“ mit diesem Slogan wurde vor einigen Jahren für eine Margarine geworben. Auch der Apostel Paulus argumentiert so ähnlich. „Du darfst, das Leben und die Früchte der Schöpfung genießen, daran ist nichts verwerflich.“ Während die Werbung „du darfst“, den Genuss der Margarine erlaubte, und deren Fett- und Cholesterinwerte für unbedenklich erklärte, sagt Paulus ebenso überzeugend: „Du darfst die Dinge dieser Welt genießen, sie sind nicht nur unbedenklich sondern wirklich gut.“ Paulus denkt dabei an den Schöpfungsbericht der Bibel, als Gott seine Schöpfung ansah und sie für gut erklärte. „Du darfst…“ das ist in meinen Augen die faszinierende Einladung zu sein, das Leben zu gestalten und zu genießen. Gerade im Mai, wenn alles aufblüht und überschäumt vor Farben und Düften, kann man spüren, wie viel Freude Gott an dieser Welt gehabt hat und immer noch hat. Wenn wir die Fülle erleben und die endlose Zahl der Möglichkeiten, mit denen das Lebendige gesegnet ist, bleibt die Erinnerung an das Paradies lebendig und die Zukunft erscheint verheißungsvoll und nah. „Du darfst,“ das heißt: Lebe deinen Traum und gestalte dein Leben, es ist alles da, die ganze Welt ist wie ein Garten voller Wachstum und Reife. Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut.
Schön wäre es, wenn wir diese Einsicht in das Wesen der Schöpfung unseren Kindern mitgeben können. Und nicht nur die Verbote, „du darfst dies nicht und du darfst das nicht!“ Diese Verbote geschehen scheinbar aus pädagogischen Gründen und sollen die Kinder schützen. Aber die Mahnungen „das nicht zu anfzufassen“ oder „nicht auf den Rasen zu treten“, oder „den Mund zu halten“ sind nicht allein pädagogisch zu begründen. Sie weisen vielmehr auf eine Lebenseinstellung, die von Kleinlichkeiten und Verboten genährt wird und letztlich von Angst.
Im Alten Testament ging es vor allem um den richtigen Umgang mit Feiertagen und mit Speisen. So war genau geregelt, wieviel Schritte man am Sabbat gehen durfte, aber auch welche Speisen man essen durfte, was rein war und was unrein. In den Zeiten des jungen Christentums stritt man auch ums heiraten. War die Ehelosigkeit der Ehe vorzuziehen? Ist Enthaltsamkeit besser als Sexualität?
Zu jenen Fragen nahm Paulus damals Stellung und er schrieb an seinen Freund Timotheus: „Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird.“
Paulus wehrt also Schwarzweiß-Malerei ab, jene Einstellung, die gut und böse auf die Dinge dieser Welt projiziert, statt sie im eigenen Herzen zu suchen. Auch die Religionen haben dazu ihren Teil getan, in dem sie die Welt für böse erklärt haben, oder indem sie Gott und Welt gegenüberstellten. Dann ist es nur noch ein kleiner Schritt, zu glauben, sich von allen weltlichen Genüssen fernhalten zu müssen bzw. sich abzugrenzen und andere Gruppen zu diskriminieren.
Paulus schlägt eine menschenfreundliche Variante vor, sein Leben zu gestalten. Alles, was wir dankbar empfangen und genießen können, ist ein Loblied auf die Güte Gottes und ist gut, im Sinne der Bibel. So wie Gott seine Freude an der Schöpfung hat, so sollen wir uns auch daran erfreuen und sie dankbar annehmen. Paulus sagt, „du darfst“ und er meint es gut mit uns.
Herzliche Grüße von Pfarrer Peter Lehwalder
eingestellt von
Peter
Lehwalder am
6. Mai 2012
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