Evangelische Kirchengemeinde Burgholzhausen

Nachgedacht – Gemeindebrief Mai – Juni 2012

nachgedachtAlles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird.

(Monatsspruch Mai ) 1. Timotheus 4,4

„Du darfst,“ mit diesem Slogan wurde vor einigen Jahren für eine Margarine geworben. Auch der Apostel Paulus argumentiert so ähnlich. „Du darfst, das Leben und die Früchte der Schöpfung genießen, daran ist nichts verwerflich.“ Während die Werbung „du darfst“, den Genuss der Margarine erlaubte, und deren Fett- und Cholesterinwerte für unbedenklich erklärte, sagt Paulus ebenso überzeugend: „Du darfst die Dinge dieser Welt genießen, sie sind nicht nur unbedenklich sondern wirklich gut.“ Paulus denkt dabei an den Schöpfungsbericht der Bibel, als Gott seine Schöpfung ansah und sie für gut erklärte. „Du darfst…“ das ist in meinen Augen die faszinierende Einladung zu sein, das Leben zu gestalten und zu genießen. Gerade im Mai, wenn alles aufblüht und überschäumt vor Farben und Düften, kann man spüren, wie viel Freude Gott an dieser Welt gehabt hat und immer noch hat. Wenn wir die Fülle erleben und die endlose Zahl der Möglichkeiten, mit denen das Lebendige gesegnet ist, bleibt die Erinnerung an das Paradies lebendig und die Zukunft erscheint verheißungsvoll und nah. „Du darfst,“ das heißt: Lebe deinen Traum und gestalte dein Leben, es ist alles da, die ganze Welt ist wie ein Garten voller Wachstum und Reife. Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut.

Schön wäre es, wenn wir diese Einsicht in das Wesen der Schöpfung unseren Kindern mitgeben können. Und nicht nur die Verbote, „du darfst dies nicht und du darfst das nicht!“ Diese Verbote geschehen scheinbar aus pädagogischen Gründen und sollen die Kinder schützen. Aber die Mahnungen „das nicht zu anfzufassen“ oder „nicht auf den Rasen zu treten“, oder „den Mund zu halten“ sind nicht allein pädagogisch zu begründen. Sie weisen vielmehr auf eine Lebenseinstellung, die von Kleinlichkeiten und Verboten genährt wird und letztlich von Angst.

Im Alten Testament ging es vor allem um den richtigen Umgang mit Feiertagen und mit Speisen. So war genau geregelt, wieviel Schritte man am Sabbat gehen durfte, aber auch welche Speisen man essen durfte, was rein war und was unrein. In den Zeiten des jungen Christentums stritt man auch ums heiraten. War die Ehelosigkeit der Ehe vorzuziehen? Ist Enthaltsamkeit besser als Sexualität?

Zu jenen Fragen nahm Paulus damals Stellung und er schrieb an seinen Freund Timotheus: „Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird.“
Paulus wehrt also Schwarzweiß-Malerei ab, jene Einstellung, die gut und böse auf die Dinge dieser Welt projiziert, statt sie im eigenen Herzen zu suchen. Auch die Religionen haben dazu ihren Teil getan, in dem sie die Welt für böse erklärt haben, oder indem sie Gott und Welt gegenüberstellten. Dann ist es nur noch ein kleiner Schritt, zu glauben, sich von allen weltlichen Genüssen fernhalten zu müssen bzw. sich abzugrenzen und andere Gruppen zu diskriminieren.
Paulus schlägt eine menschenfreundliche Variante vor, sein Leben zu gestalten. Alles, was wir dankbar empfangen und genießen können, ist ein Loblied auf die Güte Gottes und ist gut, im Sinne der Bibel. So wie Gott seine Freude an der Schöpfung hat, so sollen wir uns auch daran erfreuen und sie dankbar annehmen. Paulus sagt, „du darfst“ und er meint es gut mit uns.

Herzliche Grüße von Pfarrer Peter Lehwalder

eingestellt von Peter Lehwalder am 6. Mai 2012
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Nachgedacht – Gemeindebrief März – April 2012

nachgedacht… müde, abgespannt, ausgelaugt? – Einfach mal abschalten!

Liebe Gemeinde,
warum sind wir so angespannt, so eifrig und unternehmungslustig und gleichzeitig so unaufmerksam und zerstreut? Weshalb sind wir so anfällig für Ablenkungen und fühlen uns dabei gehetzt? Ganz einfach, die Antwort lautet: „weil wir es so wollen!“ Die allgegenwärtige Informationsflut berauscht uns und drängt uns vorwärts. Was gäbe es schlimmeres als Langeweile? Im Grunde ist es doch so: Es ist besser von einem Termin zum nächsten zu hetzen, als gar keine Termine zu haben. Wir alle wollen unseren Lebensstandard halten und sind bereit dafür auch ein hohes Tempo mitzugehen.
All die Betriebsamkeit des öffentlichen Lebens mit seinen Skandalen und Rekorden lenkt uns ab, von den eher schwierigen Dingen unseres Lebens, unseren Schwächen und ungelösten Problemen. Würden wir offline gehen, dann würden wir zur Ruhe kommen. Aber mit der Ruhe käme vielleicht auch die Angst vor einem immer unüberschaubar werdenden Leben.
Mit unserer pausenlosen Geschäftigkeit haben wir ein Alibi um die Dinge beiseite zu schieben, die uns zu lästig und zu schwierig erscheinen: die Pflege der Eltern, die Erziehung der Kinder, Aufräumarbeiten zu Hause, Gespräche mit dem Partner, liegengebliebene Aufgaben und Träume.
Wenn uns darüber klar werden und überlegen, was wir dagegen tun können, setzen wir oft auf ein „mehr desselben“, also noch mehr Anstrengung, noch mehr Geschwindigkeit, noch mehr Action. Wir versuchen uns besser zu organisieren und unsere Zeit besser zu „managen“. Manche greifen auf Meditation zurück oder probieren Entspannungstechniken, in jedem Fall ist effektives Selbstmanagement gefragt. Allein es gibt einen riesigen Markt an Ratgebern und Workshops, die alle das hehre Ziel verfolgen, mit sich selbst in Einklang zu kommen und sich in seinem Leben wieder wohler zu fühlen.

Doch was hilft wirklich und was wäre erlösend im Sinne der christlichen Überlieferungen?Befreiend ist immer die Konzentration aufs Wesentliche. Nur muss man sich natürlich darüber klar werden, was das Wesentliche ist. Wesentlich ist wohl das, was uns wirklich interessiert und beschäftigt, wofür wir kämpfen würden und das was uns, über den Moment hinaus trägt und beflügelt. Das sind die Dinge, von denen wir uns nicht so leicht ablenken lassen, wo wir mit dem Herzen dabei sind, wie in der Liebe zu einem Menschen, unseren Hobbys oder den Aufgaben im Beruf. Der heute so typischen Unkonzentriertheit des Lebens entgeht man, glaube ich, am besten, wenn man das tut, was man am besten kann, wenn man sich darauf beschränkt, und nicht glaubt alles können zu müssen.

Erlösend und befreiend ist es auch, wenn wir uns von stärkenden Gefühlen leiten lassen. Oft setzen wir auf die Vernunft, und hoffen damit die negativen Begleiterscheinungen des Lebens in den Griff zu bekommen. Aber in Wahrheit helfen uns Gefühle von Selbstvertrauen, Geborgenheit, Humor und Gelassenheit dabei den Herausforderungen des Alltags zu begegnen. Wenn wir zufrieden sind, und etwas Abstand haben, dann werden auch unsere Entscheidungen und Handlungen überzeugender und gelingen eher. Diese Gefühle, die uns zum Leben helfen, ruhen wohl auf den engen und sorgfältig gepflegten Beziehungen und Bindungen, zu wirklich bedeutsamen Menschen unseres Lebens. Sie sind Ausdruck von gegenseitig geschenktem Vertrauen und von vertrauter und erprobter Liebe. Darauf gilt es sich zu besinnen und zu vertrauen. Abschalten ist nicht leicht – aber es kann sich als Gewinn entpuppen, und dann ist es wirklich erlösend.

Herzliche Grüße von Pfarrer Peter Lehwalder

 

eingestellt von Peter Lehwalder am 14. März 2012
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Nachgedacht – Gemeindebrief Dezember 2011 – Februar 2012

nachgedacht

Meine Gnade ist in den Schwachen mächtig

Jedes Jahr steht in der Kirche unter einem besonderen Motto. Das Motto fungiert als eine Art Wegweiser und soll dabei helfen, die eigenen Erfahrungen mit diesem Jahr religiös zu deuten. Für das Jahr 2012 ist ein Vers aus dem Korintherbrief des Apostels Paulus ausgesucht worden. Er lautet: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Als Paulus etwa im Jahr 50 n. Chr. seinen Brief an die Korinther formulierte, hatte er besonders die einfachen Leute im Blick. Denn nur wenige in seiner Gemeinde gehörten der Oberschicht an. Paulus schrieb damals : „ Seht doch eure Berufung an, Geschwister: Es sind nicht viele Weise von ihrer Herkunft her, nicht viele Mächtige, nicht viele aus den Elitefamilien unter euch. Vielmehr hat Gott die Ungebildeten der Welt erwählt, um die Weisen zu beschämen; und die Schwachen der Welt hat Gott erwählt, um die Starken zu beschämen.“ (1. Korinther 1,6f)
Für Paulus war das nicht nur irgendein Sachverhalt, den man im jungen Christentum allen Ortes beobachten konnte, sondern ein theologisches Programm. Eine Idee, die die Welt auf den Kopf stellte. Denn normalerweise bestimmen die Starken und Mächtigen wo es lang geht in der Welt, und den Gebildeten stehen alle Türen offen, während sie Ungebildeten verschlossen bleiben. Auch wir setzen auch heute noch auf Stärke und Bildung, und versuchen Schwächen im besten Falle zuzugeben, meistens jedoch zu verstecken. Die Schwachen sind oft sozial isoliert und die Ungebildeten können am kulturellen und politischen Leben nicht teilnehmen. Dass Schwäche zu etwas nütze sein kann, wie Paulus in der Jahreslosung formuliert, ist also eine gewagte und vielleicht sogar eine vermessene These. Sie stellt unsere Alltagserfahrungen infrage.
Um Paulus und seine These zu verstehen, muss man sich seine Gegner in Korinth anschauen. Das waren rhetorisch geschulte Personen, die Paulus an Bildung und Ausstrahlungskraft weit übertrafen. Ihnen gegenüber mag er sich ungebildet vorgekommen sein und klein. Und wahrscheinlich haben sie ihn nicht einmal in ihren Diskussionen zu Wort kommen lassen. Sie hielten seine persönliche Erscheinung für schwach und seine Rede für nicht der Rede wert. Kein Wunder, dass Paulus sich deklassiert fühlte und abgeschlagen. Aber dann drehte er bauernschlau den Spieß um und sagte salopp formuliert: Was ist eure Klugheit wert, wenn sie euch daran hindert die Wahrheit zu entdecken? Oder nützen euch Macht und Stärke, wenn sie euch daran hindern offen zu sein und frei? Im Grunde verstand Paulus nicht, warum die Vornehmen das Evangelium ablehnten, während es den Armen zu Herzen ging. Es muss also etwas falsch gewesen sein an dieser Art von Weisheit und Stärke.
Solange Weisheit und Stärke, Hingabe und Liebe verhindern sind sie von Paulus aus gesehen nichts wert. Weisheit ist kein Selbstzweck, sie ist Mittel oder Weg, aber doch nicht das Ziel selbst. Der Weise lässt sich von seiner Schwäche für eine Sache leiten, nicht von einer abstrakten Theorie. Weisheit ohne diese Schwäche, hätte keine Liebe für das was sie interessiert und erforscht. Auch Macht und Stärke sind kein Selbstzweck, ich kann sie gebrauchen, doch sie sind kein Ziel an sich. Stärke ohne die Schwäche für das Leben, würde alles verderben. Ich nehme an, dass Paulus in diesem Sinne gedacht hat. Schließlich ist er auch der bekannte Autor der Hohen Liedes der Liebe (1. Korinther 13) So betrachtet ist es also gerade erst die Schwäche, die uns als Menschen menschlich macht und Gott gegenüber stellt. In dieser Schwäche spüren wir die Liebe und Güte, die Gott allem Lebendigen entgegenbringt. Und es ist diese Liebe, die uns stark macht und über uns hinaus wachsen lässt.

Frohe Weihnachten und ein gesegnetes neues Jahr wünscht Ihnen

Pfarrer Peter Lehwalder

eingestellt von Peter Lehwalder am 10. Dezember 2011
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Nachgedacht – Gemeindebrief Mai – Juni 2011

nachgedacht

Atomkraft? – nein  Danke!

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Zum ersten Mal, seit ich denken kann, ist es zu einer offenen gesellschaftlichen Wende gekommen. Das ist in dieser Form, glaube ich, noch nie vorgekommen.
Normalerweise lassen wir uns nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Aber nach dem Erdbeben von Japan und der darauf folgenden Atomkatastrophe hat sich eine neue Situation ergeben. In einer dramatischen Rede hat die Bundeskanzlerin ein Moratorium verkündet und damit auch eine Kehrtwende ihrer eigenen Politik eingeleitet. Das ist wirklich bemerkenswert, weil ja die Bundesregierung gerade die Laufzeit der Atomkraftwerke verlängert hatte. Auch unsere Kirchen haben sich zu Wort gemeldet. „Eine Technologie, die Fehler nicht verzeiht, tut uns nicht gut“, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider. Die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann betonte, die Rede von den sicheren Atomkraftwerken sei „einfach Hybris“. Einig ist man sich in dieser Einschätzung auch mit der Katholischen Kirche. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, erklärte: „Atomkraft ist keine Energie der Zukunft.“ Soviel Einmütigkeit hat es im ökumenischen Dialog lange nicht gegeben.
Mit der Katastrophe von Japan sind die Risiken unseres zivilisierten Lebens überdeutlich geworden. Risiken, die uns zeigen wie gefährdet menschliches Leben zu jederzeitist. Wir stehen einmal mehr vor der Frage inwieweit wir unseren technischen Möglichkeiten vertrauen können und müssen uns eingestehen, dass Fehler passieren können. Fehler gehören zu unserem menschlichen Wesen. Deshalb müssen wir auch immer mit ihnen rechnen und können sie nie ausschließen. Die Frage ist dann wie es mit der Fehlertoleranz unserer technischen Errungenschaften bestellt ist. Ob z. B. Fehler wieder gut gemacht werden können oder unabsehbare Folgen zeitigen.
Ein atomarer Unfall jedenfalls bestraft jeden Fehler, in einer nicht mehr aufzufangenden Weise. Genauso ist auch die atomare Endlagerung im Grunde von Menschen, die 70 bzw. 80 Jahre alt werden nicht zu verantworten, weil sie deren Lebenszeithorizont übersteigt.
Als Menschen können wir nur Verantwortung in einem begrenzten Umfang übernehmen. Ich frage mich, auch im Hinblick auf die Atomkatastrophe von Japan, welcher Mensch könnte dafür die Verantwortung übernehmen. Ist das nicht eine Nummer zu groß für uns? Das Erdbeben könnte man immerhin noch Gott in Schuhe schieben, doch der Atomunfall liegt zweifellos in menschlichem Ermessen. Im Grunde haben wir ihn alle zu verantworten, alle die wir schnell und billig Energie haben wollen, um unsere  Bedürfnisse zu befriedigen.
Hoffnungsvoll stimmt mich allerdings, dass nun viele Politiker bereit sind ihr Urteil zu überdenken, und sich aufgrund von neuen Erkenntnissen und menschlichem Leid anrühren und bewegen lassen. Eine solche Umkehr ist für mich Buße im biblischen Sinne, die Fehler eingesteht und dabei auf die Gnade Gottes hofft. Ich glaube jedenfalls, die Tatsache, dass bei uns noch kein schlimmer Atomunfall passiert ist, liegt weniger an unserer menschlichen Sicherheitstechnik, als an der Gnade Gottes, die über Verdienst und Schuld gütig hinweg sieht.

Herzliche Grüße
Pfarrer Peter Lehwalder

eingestellt von Peter Lehwalder am 9. Mai 2011
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Nachgedacht – Gemeindebrief März – April 2011

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In Gott kommt meine Seele zur ruhe

Für viele Menschen ist „Ruhe“ und das, was darunter zu verstehen ist, ein Problem. Ruhe wird für Passivität gehalten, ein Zustand, den sich keiner so gerne erlauben mag, es sei denn er hat Urlaub. Auch das Wort „Ruhestand“ ist in unserer Gesellschaft weithin verpönt, so dass sich kaum einer getraut davon zu reden, geschweige denn ihn auch für sich in Anspruch zu nehmen. Wenn dagegen die Menschen in ihren späteren Lebensabschnitten von Unruhestand sprechen, beschreibt das Wort eher ihren aktuellen Zustand und findet gesellschaftlichen Anklang, denn ohne Ehrenämter z. B. wäre vieles in unserer Gesellschaft gar nicht denkbar.
„Ruhe“ dagegen wird in unserer Gesellschaft immer mehr diskriminiert. Ruhe erscheint als etwas negatives. Ruhig sind diejenigen, und sollen es auch sein, die nichts mehr zu sagen haben. Ruhe bewahren gilt zwar als Bürgerpflicht, aber nur wer sich einmischt und wahrgenommen wird, wird auch ernst genommen. Ruhig wird es um die, die keine Arbeit mehr haben und sich nicht mehr nützlich machen können, so wie Alte und Kranke z. B. Ruhe wird gemeinhin auf der Friedhof gesucht, aber nicht auf den Boulevards der großen Städte mit ihrer Event- und Partykultur. Unsere marktschreierische Werbekultur verdrängt so „Ruhe“ an die Ränder des Lebens, so wie einst auch die Friedhöfe aus der Mitte des Dorfes in die Außenbezirke verlegt wurden.
Manchmal kommt es mir so vor als sei „Menschsein“ gleichbedeutend mit „Unruhestiften“ oder „Krach machen“. Das erste womit wir uns auf dieser Welt bemerkbar machen ist ein Schrei und manchmal ist es auch das letzte. Dazwischen heischen wir lautstark um Anerkennung und Liebe, und hofen unsere Wünsche und Bedürfnisse befriedigen zu können. Je weniger wir aber bekommen, um so mehr Tamtam machen wir. Auffällig ist, dass wir nicht in uns ruhen können und wie unter Zwang Himmel und Erde bemühen, um so etwas wie Glück zu finden.
Stellen sie sich einmal für einen Moment vor, wie still es etwa vor 200 Jahren gewesen sein muss. Es muss so unglaublich still gewesen sein, dass man fast jeden Seufzer des Nachbarn mitbekommen hat und vielleicht auch seine Lieder, wenn ervor sich hin summte. Es muss eine völlig andere Welt gewesen sein. Ein Raum der Stille, den wir uns heute kaum noch vorstellen können. Aber es geht nicht bloß um die äußere Ruhe und das Ruhe geben, sondern um die innere Ruhe, das was man früher Seelenfrieden genannt hat.
Der Kampf ums Überleben, die Jagd nach Erfolgen, die vielen kleinen und großen Sorgen und unsere Sehnsucht nach Glück nimmt uns diese Ruhe, falls wir sie je schon einmal hatten. Und das Paradoxe ist doch zugleich, dass es ohne diese Ruhe kein Glück und auch keinen Sinn geben kann. Denn erst im Innehalten wird der Urgrund des Lebens spürbar, das was uns trägt, und erst von diesem utopischen Punkt aus gesehen, bekommt alles andere Ziel und Richtung.
Insofern brauchen wir in unserem leben, wie in unserer Gesellschaft solche Inseln der Stille, die uns helfen innere Kraftreservoire zu erschließen. Gerade auch eine Kirche könnte so ein Ort sein, an dem man zur Ruhe kommt.
In der Kirche erscheint Gott als Raum in dem ich Geborgenheit und Frieden finden kann, auch wenn sich die Welt wie gewohnt weiter dreht, gewinne ich doch dort den Abstand den ich für mein Leben brauche. Dann kann ich mich auch wieder lauthals ins Leben stürzen.

Frohe Ostern wünscht Ihnen
Pfarrer Peter Lehwalder

eingestellt von Peter Lehwalder am 15. Februar 2011
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Nachgedacht – Gemeindebrief Dezember 2010 – Februar 2011

nachgedacht

Die Jahreslosung und die dunkle Seite der Macht

Die Jahreslosung 2011 nimmt einen Satz aus dem Brief auf, den Paulus an die christliche Gemeinde in Rom schrieb:
„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem!“
In einer weit entfernten Galaxie lange vor unserer Zeit belehrte der weise Jedi-Meister Yoda seinen Schüler Luke über die Gefahren der dunklen Seite der Macht. Als Fan der Star Wars Filme sind mir diese Worte seit meiner Jugend in guter Erinnerung geblieben. Und wenn ich sie nun am Ende dieses Jahres noch einmal lese, klingen sie wie eine Fortsetzung der paulinischen Unterweisung. Meister Yoda erklärt: „Die Kraft ließt einem Jedi von der Macht zu. Aber hüte dich vor der dunklen Seite derMacht. Zorn, Furcht, Aggressivität, die dunklen Seiten der Macht sind sie. Besitz ergreifen sie leicht von Dir. Folgst Du einmal diesem dunklen Pfad, beherrschen wird auf ewig die dunkle Seite dein Geschick. Ver-zehren wird sie Dich, wie einst den Schüler von Obi-Wan.“
Sein Schüler Luke fragt zurück: „Vader… Ist die dunkle Seite stärker?“
Und Meister Yoda antwortet:“Nein! Nein. Nein. Nur schneller, leichter, verführerischer.“
„Aber wie kann ich die gute Seite von der schlechten unterscheiden?“ will Luke wissen.
Yoda antwortet ihm ruhig:“Erkennen wirst Du es. Wenn Du Ruhe bewahrst und Frieden. Ein Jedi benutzt die Macht für das Wissen, zur Verteidi-gung. Niemals zum Angriff.“
Wenn man einmal von dem unorthodoxen Satzbau Meister Yodas absieht, müht er sich doch redlich seinem Schüler das Leben zu erklären.Luke möchte hinter die Geheimnisse der Macht kommen. Es wird nicht genau beschrieben, was die Macht ist, aber man begreift schnell, dass es um jene göttliche Macht geht, die die Welt und das Universum im innersten zusammen hält. Luke möchte der Macht dienen, so wie wir als Christen etwa Gott dienen wollen. Er möchte ein guter Jedi-Ritter werden, einer der alles richtig macht. Aber genau da lauern auch
die Fallstricke. Yoda nennt es die dunkle Seite der Macht, wenn Zorn, Angst, und Wut von uns Besitz ergreifen.
Einmal auf diesem Weg, gibt es kein zurück mehr. Für Paulus ist es das Böse, das uns verführt, vielleicht gerade da wo wir es am besten meinen. Aus falsch verstandenem Plichtgefühl tut wir dann vielleicht Dinge, die gut gemeint sind, aber großen Schaden anrichten. Und gerade der, der verbissen für die Wahrheit kämpft, richtet andere vielleicht zugrunde. Im Namen des Guten führt die westliche Welt Kriege gegen den Terror, und nährt ihn dadurch zugleich, ob sie will oder nicht.
Dabei ist es doch eigentlich für jeden von uns erkennbar, dass sich der Teufelskreis von Gewalt und Gegen-gewalt nicht in eine Spirale des Guten verwandeln lässt.
Paulus dagegen wendet sich an jeden einzelnen und spricht ihn an:“Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege Böses mit Gutem!“ Vielleicht geht er damit noch einen Schritt weiter als Yoda, der nur vor eigenen gefährlichen Gefühlen warnt, aber gut sein, kann man nur, wenn man sich nicht von seinen negativen Gefühlen beherrschen lässt. Man kann nur dielinke Backe hinhalten, wenn man innerlich gefestigt ist, und weiß was man wert ist. Insofern sind sich Yoda und Paulus wirklich nahe. Sie möchten uns etwas mitgeben und uns dabei helfen das Böse zu überwinden. Wo wir innere Ruhe und Frieden in unserer Seele inden, und die Nähe zu allen Dingen empinden, vermögen wir dem Bösen eher zu widerstehen.
Vom Bösen zu erlösen, vermag dagegen nur Gott. In der Geburt eines Kindes widersteht Gott selbst, derdunklen Seite der Macht. Dies ist ein Zeichen des Himmels, dass Gewalt und Hass nicht für immer das Leben in dieser Welt prägen werden. Frieden und Versöhnung können entstehen wenn wir uns nicht von der dunklen Seite korrumpieren lassen.
„Erkennen wirst du es, wenn du Ruhe und Frieden bewahrst. “

Frohe Weihnachten und ein gesegnetes Neues Jahr!
Pfarrer Peter Lehwalder

eingestellt von Peter Lehwalder am 15. Dezember 2010
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Nachgedacht – Gemeindebrief Oktober – November 2010

nachgedacht

Radeln an der Donau

An der Donau entlang mit dem Rad zu fahren, ist auch für Ungeübte kein Problem. Es geht fast immer auf gut ausgebauten Wegen vorwärts. Wir treten in die Pedale und nehmen Fahrt auf. Nur das Wetter macht uns Sorgen. Der Himmel ist bewölkt, jederzeit kann es regnen. Gut, dass wir mit allem Nötigen ausgestattet sind; die Regenhose lässt sich schnell überziehen.
Zusammen mit 12 weiteren Pfarrerinnen und Pfarrern und unserem Propst Dr. Rink reisen wir mit dem Rad auf dem Donauradweg entlang von Passau nach Wien. Wir folgen einem majestätischen Strom und unserer inneren Unruh, die uns unablässig in die Pedalen treten lässt.
Auf unserer Reise möchten wir die Evangelische Kirche von Österreich in ihrer Diasporasituation kennenlernen. Diaspora, das heißt, dass in Österreich von ca. 8. Millionen Einwohnern nur etwa 330.000 evangelisch sind. Was das bedeutet, wollten wir erfahren. Im Vergleich zu den mächtigen Klosteranlagen der Katholischen Kirche wirken die evangelischen Kirchen klein und bescheiden.
Man muss sie suchen. Dann aber entwickeln sie einen besonderen Reiz, etwa die reformierte Kirche in Wien, die von außen nicht als Kirchen erkennbar sein durfte und nur von einem Hinterhof aus betreten werden konnte. Im Inneren dagegen überrascht sie die Besucher mit einer vielgestaltigen Rosenornamentik. Es gibt sie also die Spuren des Protestantismus im katholischen Wien. Man muss sie nur suchen.
Die Pfarrerin in Krems muss weite Wege zurücklegen, wenn sie ihre Gemeinde zusammenhalten will. Die Konfirmanden kommen aus einem Umkreis von ca. 40 km und treffen sich sonntags zum Gottesdienst und danach zum Unterricht. Religionsunterricht gibt die Kollegin in sechs verschiedenen Schulen in Klassen von 3 bis 18 Kindern. Pionier und Organisationsgeist ist gefragt, besonders wenn es um die Gebäudeerhaltung geht oder um Finanzierungsfragen.
Übrigens die Kirche von Österreich kennt keine Kirchensteuer. Die Gemeinden erheben Mitgliedsbeiträge, die manchmal sogar gerichtlich eingeklagt werden müssen. Eine Minderheitskirche hat es nicht leicht, aber sie ist sich zugleich ihrer Geschichte bewusster und stolz darauf. Was uns in Deutschland selbstverständlich erscheint, wird dort als Ergebnis mutiger Arbeit und beharrlichen Glaubens verstanden.
Wie es weitergehen wird, liegt in Gottes Hand. Fusionen und Kooperationen zwischen Gemeinden stehen an, so wie auch in Deutschland. Vielleicht ist aber die österreichische Kirche besser darauf vorbereitet? Wir wünschen es ihr.
Während wir durch die Wachau radeln kommt die Sonne heraus und gibt den Blick frei auf eine uralte Kulturlandschaft mit Weinbergen und Obstplantagen. Es ist wirklich schön hier. Man bekommt einen anderen Blick für die Dinge, als wenn man mit dem Auto unterwegs wäre. Alles rückt näher zusammen und wird intensiver erlebt.
Am Ende eines Tages weiß und spürt man, was man geleistet hat und ist stolz darauf. Das Essen schmeckt wie sonst nie und der Schlaf kommt leicht und schnell. Früh morgens geht es dann wieder los, auf ein Neues, mit Gottes Geleit und Segen.

Herzliche Grüße
Pfarrer Peter Lehwalder

eingestellt von Peter Lehwalder am 15. Oktober 2010
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Nachgedacht – Gemeindebrief Juli – September 2010

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Iss, trink und habe guten Mut

„Iss, trink und habe guten Mut!“, schreibt der Prediger Salomo, nachdem er reichlich über den Sinn des Lebens nachgedacht hat. Was in unserer Zeit als Aufruf zum „Party-machen“ missverstanden werden könnte, erweist sich jedoch als tiefere Lebensweisheit.
Laut Salomo machen die Menschen viel Lärm um nichts, ihr Streben und Mühe ist eitel und oft nicht mehr als Haschen nach Wind. Arbeit ist Plage, keine Selbstverwirklichung wie wir uns erhoffen. „Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon“, schreibt er nachdenklich. Es ist erstaunlich, dass das einer schreibt, der zu den Privilegierten seiner Zeit gehört hat, einer der über Geld und Einfluss verfügt hat, einem Menschen, dem vieles möglich war und dem kein Wunsch lange unerfüllt bleiben musste. Wenn ein armer Wicht so gedacht hätte, keine Frage, da hätte man verstehen können, dass Arbeit und Mühe sich nicht auszahlen, aber bei so einem alternden weisen König..?
Heute getraut sich kaum eine p r omi n e n t e Person der Zeitgeschichte so zu reden, wie es Salomo zugeschrieben wird. Im Gegenteil alle sind stolz auf ihre Leistungen und rechnen sie sich als Verdienst an, als unverzichtbar für Volk und Vaterland, als Errungenschaft, die Wohlfahrt und Freiheit garantiere.
Und doch geraten wir trotz oder gerade wegen solcher Leistungsträger von einer Krise in die nächste, und dieselben, die sie verursacht haben, sollen dabei helfen sie zu lösen. Vielleicht hat Salomo also doch recht mit seinen zugegebenermaßen unbequemen Thesen, dass man sich abmühe, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon. Wenn das aber gilt, was bleibt dann noch übrig, und was hat unsere Arbeit überhaupt noch für einen Sinn? Salomo empfiehlt: „Iss und trink, habe guten Mut, denn das ist eine Gabe Gottes!“
Sie sehen, es zählt nicht die Erfolgsquote oder die Summe aller Leistungen und Produkte, sondern die Freude am Essen und Trinken, an den Dingen die wir täglich nötig haben und genießen können.
Im Ernst, was braucht es letztlich mehr als Essen und Trinken und ein Dach über dem Kopf? Salomo hat das erkannt und es ist auch heute noch eine Überlegung wert: „Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben.“

Herzliche Sommergrüße von
Pfarrer Peter Lehwalder

eingestellt von Peter Lehwalder am 3. Juli 2010
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Nachgedacht – Gemeindebrief Mai – Juni 2010

nachgedacht

Der Löwe ist los

„Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. “ Hebräer 11,1

Eine kleine Geschichte über den Glauben geht so: Ein Missionar ist wieder zu Hause in Deutschland. Seinen Amtsbrüdern erzählt er: „Ich war zu Fuß unterwegs. Plötzlich sehe ich hinter mir einen Löwen. Ich fange an zu laufen. Der Löwe läuft auch. Im letzten Moment sehe ich vor mir einen Baum, springe mit allerletzter Kraft hinauf und bin gerettet.“ – „Ja, aber die Gegend kenne ich“, entgegnet da einer: „Da gibt es doch gar keine Bäume.“ Darauf der Missionar:“ Das weiß ich auch, dass es da keine Bäume gibt. Aber in dem Moment war mir das auch egal.“
Was halten Sie von dem Missionar? Ich finde er neigt zu Übertreibungen. Wie kann er einen Baum erfinden, den es gar nicht gibt? Warum erzählt er uns Märchen und lügt? „Dort gibt es keine Bäume“, hält ihm sein Amtsbruder entgegen. Spätestens da hätte unser Missionar nun kleinlaut einlenken müssen, aber statt seine Lüge einzugestehen, antwortet er schlagfertig: „Das weiß ich auch, dass es da keine Bäume gibt. Aber in dem Moment war mir das auch egal.“ Ich nehme an, dass er mit diesen Worten alle verblüfft hat. War das nun einfach nur frech von ihm, auf einem einmal beschrittenen Pfad unbeirrt immer weiterzumachen und der einen Lüge eine weitere hinzuzufügen? Oder war diese schlagfertige Bemerkung, Ausdruck eines trotzigen Glaubens, für den die sichtbare Welt nur ein Teil der Lebenswirklichkeit ist? Auch der Missionar wusste ja, dass es dort keine Bäume gab, auf die man hätte flüchten können, aber in seinem Glauben hat er sie gesucht und gefunden, getreu der alten Verheißung: Alle Dinge sind möglich, dem der da glaubt.
Wenn Sie so wollen könnte man folgern, dass unser Glaube, immer nahe an der Lüge vorbei schreddert, oder haarscharf auf der Grenze wandelt, und nur ungenau zwischen Realität und Illusion unterscheidet, und dass er die Wirklichkeit irgendwie nach seinen Vorstellungen zurechtbiegt. Dass es also Bäume gibt, wo eigentlich keine zu finden sind.
Diese Kritik ist sicher berechtigt, denn unser Glaube darf nicht dazu führen, die Realität zugunsten des Glaubens zu übersehen. Andererseits ist aber genauso die sichtbare Realität für unseren Glauben kein letztes Maß, das uns hindern könnte Gott mehr zuzutrauen als allen anderen Dingen. Gerade in der Not, wenn man auf der Flucht vor Löwen ist, zählt nicht nur was einem der Verstand sagt, gerade wenn er keinen Ausweg mehr weiß, verlässt man sich lieber auf sein Herz, und die unmögliche Möglichkeit, die uns unser Glaube aufzeigt. Oder wie es eine andere moderne paradoxe Weisheit formuliert: „Du hast keine Chance. Nutze sie gefälligst!“
Während wir versuchen Situationen mit unserem Verstand realistisch einzuschätzen und die jeweiligen Wahrscheinlichkeiten ausrechnen, setzen wir in unserem Glauben auf die unauslotbare Weisheit und Fantasie des Himmels, der uns immer wieder Wege finden lässt, auf denen wir allen Hindernissen und Löwen zum Trotz gehen können.

Herzliche Grüße
Pfarrer Peter Lehwalder

eingestellt von Peter Lehwalder am 7. Mai 2010
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Nachgedacht – Gemeindebrief März – April 2010

nachgedacht

Liebe, Helden und der Tod

„Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“

Kennen Sie den amerikanischen Spielfilm Armageddon? Er erzählt auf dramatische Weise davon wie ein Meteor auf die Erde zurast und droht sie zu vernichten. Es sei denn man könnte ihn vorher stoppen oder aus seiner Bahn lenken. Für diese fast unmögliche Aufgabe werden Menschen gesucht, die bereit sind ihr Leben zu riskieren. Und ein amerikanischer Superheld, im Film gespielt von Bruce Willis, scheint als einziger in der Lage zu sein das Unheil abzuwenden.
Zusammen mit seinem Team wird er losgeschickt, auf dem Meteor Sprengladungen anzubringen, um ihn aus seiner Flugbahn zu lenken. Doch das Unternehmen schlägt fehl. Es kommt zu Unfällen und die Technik versagt. Um die ganze Sache, und es geht ja schließlich um die Welt, noch zu retten, entschließt sich der Held, die Bomben selbst, per Hand, zu zünden. Dazu muss er aber auf dem Meteoriten zurückbleiben. Es ist sein sicherer Tod, aber er rettet damit seine Crew, die noch rechtzeitig fliehen kann, und last but not least die ganze
Menschheit. Er entschließt sich zu diesem Schritt, wie im Film deutlich wird, aus Liebe zu seiner Tochter, und für deren Verlobten, den er ebenfalls rechtzeitig aus der Gefahrenzone schickt.
Diese Heldentat zeigt wofür es sich lohnt zu leben und gegebenenfalls auch zu sterben. Oft gehen ja die bekannten Hollywoodfilme gut as, und am Ende haben alle alles, was sie wollten. Aber der Film, den ih gerade beschrieben habe, deutet an, dass man nicht immer alles haben kann, und dass die Welt, Helden und auch Opfer nötig hat, damit sie gerettet und das Leben
in gewohnter Weise gelebt werden kann. Ein Volk oder eine Gemeinschaft, braucht anscheinend solche Helden, an denen es sich aufrichten kann. Die genau das verkörpern,
was auch von Jesus überliefert worden ist. Auch seinen Tod hat die Nachwelt als Liebestod für die Freunde interpretiert. Mehr kann man eben nicht für seine Freunde tun, als für sie zu sterben.
Es ist wie im Film, vor die Wahl gestellt, sich selbst oder einen anderen zu opfern, entscheidet sich der Held, das eigene Leben einzusetzen, und nicht das der anderen. Das ist die Logik des Herzens, Vertrautes zu bewahren, und dafür das eigene Leben einzusetzen. Nur und das darf man aber nicht vergessen, man kann das nicht zur Moral erheben, wie etwa im Krieg, wo vorausgesetzt wurde, dass man sein Leben für sein Vaterland zu geben habe. Es liegt zwar in der Konsequenz der Liebe für die Geliebten dazu sein und gegebenenfalls auch zu sterben, aber Gott sei Dank ist das nicht der Normalfall. Denn normalerweise möchte man ja das Leben miteinander in Liebe teilen. Nur wenn es nicht mehr anders geht, kann der Liebende von sich selbst absehen, um des geliebten anderen willen. Im Leben ist sich oft jeder selbst der Nächste, Leben kann aber nur gedeihen, wenn wir in unseren Nächsten Schwester und Bruder sehen. In diesem Sinne hat die Bibel Jesu Leben und Tod als Weg der Liebe verstanden und überliefert, um uns ein Beispiel zu geben, worauf es wirklich ankommt im Leben.

Herzliche Grüße
von Pfarrer Peter Lehwalder

eingestellt von Peter Lehwalder am 3. März 2010
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